Wie groß muss meine Wohnung für ein Leben mit Hund sein?

Viele Fragen muss man sich ehrlich beantworten, wenn man plant, sich einen Hund anzuschaffen. Neben der finanziellen Situation – ein Hund will fressen, braucht Spielzeug und Co. und muss auch zum Tierarzt – sollte der Zeitfaktor eine wichtige Rolle spielen, aber natürlich auch die direkten Lebensumstände, in die man das Tier hinein holt.

Ratschläge gibt es zur Genüge: Die Wohnung sollte nicht zu klein sein, einen tollen und hundesicheren Garten haben – am besten ist natürlich das Häuschen im Grünen. Dazu kommen noch Sonderansprüche, zum Beispiel das Vermeiden von Treppensteigen, wodurch eine Mietwohnung ab dem ersten Stock schon ausfällt, sofern kein Aufzug vorhanden ist (und der Hund diesen auch als Transportmittel akzeptiert). Im Winter kein Salz, im Sommer kein heißer Teer vor der Haustüre; so reduziert sich die Zahl der Wohnungen, die für die Hundehaltung empfohlen werden können, sehr deutlich.

Sieht man einmal genauer auf die Statistiken, stellt man schnell fest, dass viele Hunde trotz nicht perfekter Haltungsbedingungen einen glücklichen Platz im Leben gefunden haben und dass es wohl eher eine Frage der äußeren Umstände ist, als allein die Lage und die Größe der Wohnung eines Hundebesitzers. Ganz klar: Die Hunde, die in einem Einfamilienhaus am Dorfrand leben, ohne direkte Konfrontation mit einer Hauptverkehrsstraße und im der Mähe eines friedlichen Landidylls, haben es am besten erwischt – es sei denn, sie haben Besitzer, die den ganzen Tag in der Arbeit sind und sich um ihre Tiere nicht wirklich kümmern.

Kleine Wohnung, großer Hund?

Es gibt einige Hunderassen, die schon alleine für eine Kuschelrunde auf der Couch deutlich zu groß sind. Der Leonberger, ein Neufundländer, ja selbst ein Schäferhund machen einen Familienabend zunichte, wenn sie auf ihren Platz bei Herrchen auf dem Sofa bestehen. Auf den ersten Blick ist es also nicht verwunderlich, dass Experten strikt davon abraten, sich (überspitzt formuliert) für das Zusammenleben in einem 30 Quadratmeter Appartement eine große Hunderasse auszusuchen. Wir die Wohnung allerdings nur zum Fressen, Schlafen und wenige Stunden des Aufenthaltes benötigt, weil der Hundehalter beruflich und/ oder als Hobby sehr viel draußen ist und seinen Hund stets dabei haben kann, spielt die Größe der Wohnung eine sehr untergeordnete Rolle.

Wichtig ist, dass das Tier seinem Bewegungsdrang in ausreichender Form nachkommen kann und ansonsten einen ausreichend großen Schlafplatz zur Verfügung hat. Reicht es dann noch für eine Wasserschüssel und einen Futternapf, ist die Welt vollkommen in Ordnung. Natürlich gilt all dies in dem Moment nicht mehr, in dem ein Hundehalter Großteile des Tages in der Arbeit, im Fitnessstudio oder in der Disco verbringt und der Hund in diesem beengten Wohnraum die meiste Zeit alleine vor sich hin dümpelt, bis auf die notwendigen Spaziergänge zum Erledigen der Geschäfte. Ist die Wohnung so vollgestellt, dass der Vierbeiner sich kaum drehen oder hinlegen kann, ist ebenfalls Handlungsbedarf.

Was will der Hund?

Zunächst einmal braucht der Hund regelmäßig Futter, stets frisches Wasser und einen bequemen Schlafplatz, an dem er auch mal seine Ruhe findet, sprich, an dem nicht alle paar Minuten jemand an ihm vorbei rennt oder gar über ihn drüber steigen muss. Das nächste auf der Liste ist die Möglichkeit, das kleine und das große Geschäft draußen erledigen zu können. Dies sind nur die Grundbedürfnisse, die beinahe nichts mit der Größe einer Wohnung oder eines Hauses zu tun haben. Selbst das größte Haus mit dem schönsten Garten wird zur Folterkammer, wenn der Hund hungert, Durst leiden muss oder vor lauter Verzweiflung in die Wohnung machen muss.

Weiterhin gehört Zuwendung zu den wichtigen Dingen, die ein Hund im Leben unbedingt braucht. Unter diesem Begriff fasst man Streicheln, Zuspruch, Spiel und Übung zusammen. Je nach Hund und Rasse will der eine mehr spielen, der andere mehr kuscheln – und auch dies alles kann mit der kleinsten Wohnung als Stützpunkt wunderbar gelingen. Sofern sich der Besitzer Zeit nimmt, die Aktivitäten, die Zuhause nicht möglich sind, auf einer Hundewiese, im Park oder an einem anderen Ort im Freien wahrzunehmen. Bereits in diesem Punkt der Zuwendung ist auch das Thema Bewegung enthalten, die sich natürlich auch auf das Gassi Gehen, natürlich aber auch andere Gelegenheiten ausweitet. Wiederum individuell nach Hund, Alter und Rasse ist dies mal mehr, mal weniger, wobei nicht die Größe des Hundes und der Bewegungsdrang in einem direkten Zusammenhang stehen. So liebt der eine das Schwimmen, der andere joggt mit Frauchen, der dritte Hund begleitet Herrchen auf seinen Radtouren – und ein vierter liebt all das im Wechsel und geht noch regelmäßig zum Agility Sport.

Abschließend sollte man Hunden je nach Vorliebe des Tieres auch Kontakt zu anderen Fellnasen gönnen. Dies kann in einer Hundeschule stattfinden, aber auch auf gemeinsamen Wanderungen oder Spieletreffs mit befreundeten Hundehaltern… die Möglichkeiten sind vielfältig, die Angebote zahlreich. Wer seinem Hund ein ausgefülltes Leben bietet, der hat die Wohnung als Stützpunkt, als Burg; wie groß dieses Heim ist, spielt dann kaum eine Rolle. Oder anders gesagt: Was nützt der schönste Garten, wenn der Hund dort alleine und ohne Zuwendung traurig wartet, dass sich endlich einmal jemand mit ihm beschäftigt?!

Fazit: Nur, weil man ein schönes Haus und einen präsentablen Garten besitzt, macht einen diese Tatsache nicht zu einem geeigneten Hundehalter. Viel wichtiger ist es, sich nur dann einen Hund zuzulegen, wenn man ausreichend Zeit und Hingabe mitbringt, sich der Aufgabe der Hundehaltung Tag für Tag zu widmen. Je nach Wetter, je nach Lust und Laune, aber immer mit dem Gedanken: Meinem Hund soll es gut gehen. Und für dieses wunderbare Zusammenleben mit einem dankbaren und treuen Vierbeiner ist wirklich in der kleinsten Hütte Platz!

Bild von Dave Francis auf Pixabay

Kategorien: Erziehung Hund

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