Sollte ich meine Katze sterilisieren oder kastrieren lassen?

Die Sozialen Netzwerke, private Chats und Magazine im Web und in gedruckter Form sind voll von den süßesten Katzenbildern und Videos. Klar, wer kann schon widerstehen, wenn die kleinen Stupsnäschen tollpatschig durch die Gegend kullern, die Welt erkunden und dabei lustige, niedliche und unvergessliche Momente liefern? Da bekommt mancher Lust darauf, selbst ein Tier ins Haus zu holen, was nun im Prinzip auch nicht verboten ist. Mit der entsprechenden Vorbereitung, mit der Klarheit darüber, wie lange man die Verantwortung in jeder Hinsicht für ein solches Tier übernehmen muss, ist jedes Haustier eine Bereicherung, an intensiver Bindung und Liebe kaum zu übertreffen.

Für die Tierhaltung gilt, der Natur nicht zu sehr ins Handwerk zu pfuschen. Artgerechte Haltung, adäquate Fütterung, die rassetypische Beschäftigung – all dies sind Vorgaben für die Haustierhaltung. Tierschützer weltweit sind aber übereinstimmend der Meinung, dass es sehr wohl Sinn macht, dem natürlichen Fortpflanzungsdrang der Tiere Einhalt zu gebieten. Eine kontrollierte Vermehrung kommt den Tieren selbst zugute – nicht jenen, die in gemütlichen Wohnungen ein super Leben führen, sondern den armen Kreaturen in Freiheit, auf Bauernhöfen, in Miss-Haltungen und so weiter. Die Verantwortung liegt bei jedem einzelnen Katzenbesitzer und das bedeutet nun einmal mindestens die Sterilisation, noch besser aber die Kastration aller Katzen, die nicht ausdrücklich für die Zucht vorgesehen sind.

Ein Seitenblick auf die Problematik mit Hunden

In Deutschland ist das Problem mit den Hunden nicht so groß, wie in anderen, zum Teil sogar europäischen Ländern. Streunende Tiere vermehren sich unkontrolliert und regelmäßig, die Zahl der Tiere auf den Straßen explodiert förmlich. Parallel dazu vervielfältigen sich auch das Leid, der Hunger, die Krankheiten und Seuchen unter den Tieren. Sicher, es sind Tierschutzorganisationen am Werk, die immer wieder Tiere retten, aufpäppeln und vermitteln – die Ursache kann aber nur durch rigoroses Verhindern der Vermehrung besiegt werden. Solange das Geld (meist aus Spenden) nicht ausreicht, eine umfassende Sterilisierungsaktion durchzuführen, wird in einer Stadt mit dem „Hundeproblem“ weiter Elend an der Tagesordnung sein. Die Rede ist dann von verendenden Tieren an Straßenecken, von Hundefängern und Tötungsstationen – Dinge, die man nicht eliminiert, indem man einfach EIN süßes Baby aus dieser Stadt zu sich nach Deutschland holt und ihm ein glückliches Leben bereitet.

Wie bereits erwähnt, sind ungewollte Vermehrungen von Hunden in Deutschland zwar ab und an ein Thema, doch die Situation ist längst nicht so dramatisch, wie beispielsweise in Spanien, Griechenland und in vielen anderen Ländern weltweit. Wohl aber ist auch in Deutschland die unkontrollierte Geburtenzahl bei Katzen immer noch ein Problem, das auf Umwegen zu überfüllten Tierheimen führt, das Not und Elend bei den Tieren grassieren lässt. Das Verantwortungsbewusstsein mancher Katzenhalter ist einfach nicht ausreichend, um die Situation dauerhaft in den Griff zu bekommen.

Der grausame Idealfall der Katzenvermehrung

Eine einzige Katze bringt in der Regel zwei Mal im Jahr Junge zur Welt. Am Anfang bestehen die Würfe nur aus etwa 3 Jungen – im Laufe ihres Lebens wird sie aber auch Würfe mit 6 und seltener sogar 8 Jungen haben. Bei nur sechs Nachkommen im Jahr und deren ungehinderter Weitervermehrung wird aus einer einzigen Katze die wahnwitzige Zahl von über einer Million Nachkommen, in Realität natürlich gemindert durch Todesfälle, Kastration und Sterilisation. Dennoch kann man aus diesem katastrophalen theoretischen Idealfall der natürlichen Vermehrung ableiten, wie sich beispielsweise auf Bauernhöfen die Besiedlung mit Katzen in kürzester Zeit vervielfacht. Wer soll für 20 oder mehr Katzen die Tierarztkosten, das Futter und so weiter aufbringen? Hier entstehen dann Tummelplätze für Parasiten, schwerste Erkrankungen und ähnliches – nebenbei funktioniert die Vermehrung aber trotzdem weiter. Die Mutter bringt in den schlimmsten Fällen schon kranke Babys zur Welt, verklebte Augen, verschnupfte Nasen, Milben und andere Symptome zeigen dann schon beinahe alle Katzen(-Kinder), die aus diesen verwahrlosten Verhältnissen gerettet werden. Nicht selten werden von Tierschutzorganisationen etliche Tiere von einem landwirtschaftlichen Anwesen gerettet, aufgepäppelt, kastriert und geimpft und dann in gute Hände abgegeben – während die Halter in exakt dieser Zeit einfach gedankenlos die nächste Flut von kranken, nicht kastrierten Katzen heran „wuchern“ lassen. Wer sonst sollte sich um Mäuse und Co. auf dem landwirtschaftlichen Anwesen kümmern?

Die nicht kastrierte Hauskatze, die von ihrem Freigang Babys mit nach Hause bringt, ist ein nicht minder großes Problem. Die Besitzer lassen sie gebären, finden die Kätzchen süß und putzig, doch dann stellen sie fest, niemand will ein Katzenbaby aufnehmen. Um die Tiere ins Tierheim zu bringen, fehlt es an Rückgrat. Irgendwann kommen Kosten für Futter und so weiter auf die gedankenlosen Tierhalter zu und dann müssen die wenigen Wochen oder Monate alten Katzenkinder weg. Noch heute gibt es die grausamsten Mittel, sich unerwünschter Katzenbabys zu entledigen – vom Ertränken über Ersticken bis hin zum Erschlagen oder einfachen Aussetzen an den entlegensten Orten.

In diesem Sinne sei ein ausdrücklicher Appell an die Verantwortlichkeit aller Katzenbesitzer und Menschen, die dies noch werden wollen, gerichtet: Lassen Sie jede Katze und jeden Kater kastrieren, denn diese unwürdigen Zustände müssen unbedingt geändert werden.

Gerüchte um die Kastration von Katzen und Katern

Es mag sein, dass die Kastration bei einer Katze eine gewisse Gemütsveränderung nach sich zieht. Oftmals werden die Tiere etwas behäbiger, nehmen leichter an Gewicht zu, was man aber als Halter durchaus beeinflussen kann, indem man den Stubentiger zum Spielen animiert und seine Essensportionen anpasst. Ein Märchen ist es, dass eine kastrierte Katze, gleich welches Geschlecht, keine Mäuse mehr fängt. Das ist ebenso Unsinn, wie die Aussage, dass eine Katze nur dann auf Jagd geht, wenn sie hungrig ist. Das Gegenteil ist der Fall: Nur eine zufriedene, satte Samtpfote ist ein erfolgreicher Jäger.

Die Vorteile der Kastration

Da ohne Geschlechtstrieb Revierstreitigkeiten und Rivalenkämpfe keine Rolle mehr spielen, kommt es zu deutlich weniger blutigen Auseinandersetzungen zwischen den freilaufenden Katzen. Katze und Kater müssen nicht mehr riesige Areale als eigenes Revier „ablaufen“, überqueren dadurch deutlich weniger gefährliche Straßen und sind auch gerne einmal im eigenen Garten zufrieden – eine merklich geringere Unfallstatistik ist die Folge. Vor allem beim Kater fällt das ekelige Markieren der Wohnung weg. Studien belegen, dass nach der frühzeitigen Kastration die Lebenserwartung steigt. Der Stress, den Geschlechtstrieb Folge zu leisten, entfällt. Eine rollige Katze hat einige Tage richtig körperliches Leid zu ertragen – wird sie nicht gedeckt, kann es zu Dauerrolligkeit und mittelfristig Krebserkrankungen kommen. Das Zusammenleben mehrerer Katzen in einem Haushalt funktioniert umso hygienischer und ruhiger, wenn alle Tiere kastriert wurden.

Eine Katze kastrieren

Es gibt einen Unterschied zwischen Sterilisation und Kastration. Bei der Sterilisation wird einfach der Eileiter der weiblichen Katze durchtrennt, damit keine Eier mehr zur Befruchtung in die Gebärmutter wandern können. Dieser Eingriff verhindert zwar unkontrollierte Vermehrung, hat aber keinen Einfluss auf das Ausleben des Geschlechtstriebs, also das Rollig-Werden, das Liebesspiel mit dem Nachbarkater oder ähnliches. Bei der Kastration einer Katzendame wird neben den Eierstöcken auch die Gebärmutter meist mit entfernt, das Tier wird quasi „geschlechtslos“. Dieser Eingriff ist etwas schwerwiegender, als die Sterilisation oder die Kastration bei einem Kater, kostet auch etwas mehr, wird aber empfohlen, da das Tier danach ein ruhigeres und besseres Leben führen kann.

Einen Kater kastrieren

Auch bei der männlichen Katze gibt es den Unterschied zwischen Sterilisation und Kastration. Bei ersterer werden lediglich die Samenleiter durchtrennt, bei letzterer werden die Hoden komplett aus dem Hodensack entfernt.

Mindestens die Sterilisation, noch besser aber die Kastration sollte bei jeder Hauskatze so früh wie möglich durchgeführt werden. Besprechen Sie beim ersten Tierarztbesuch (zum Impfen usw.) bereits mit Ihrem Tierarzt, wann der beste Zeitpunkt dafür ist und sorgen Sie dafür, den Termin auch einzuhalten. Nach der Sterilisation bleiben Markieren, Geschlechtstrieb und Co. erhalten, dafür nimmt das Tier nicht an Gewicht zu und wird nicht träge. Ob diese Tatsachen die anderen Vorteile aufwiegen, muss jeder Katzenbesitzer selbst wissen. Die Verantwortlichkeit gegenüber der unkontrollierten Vermehrung von Katzen macht aber zumindest die Sterilisation zum MUSS.

EIN KATER IM BESTEN MANNESALTER SCHWÄNGERT IN WENIGEN TAGEN EINE KOMPANIE NICHT KASTRIERTER KATZEN IN SEINER UMGEBUNG!

Der ideale Zeitpunkt für eine Kastration

Spätestens mit dem Erreichen der Geschlechtsreife ist der Zeitpunkt für die Kastration gekommen. Bei Rassekatzen ist dies oft später der Fall, als bei der „normalen Hauskatze“. Mit einer jungen Katze gehen Sie aber lange vorher schon zum Tierarzt, um zu entwurmen oder zu impfen – dann fragen Sie einfach den Fachmann nach seinem ärztlichen Rat. Handelt es sich nicht um eine sogenannte Frühkastration, liegt der beste (und späteste) Zeitpunkt etwa zwischen dem 6. Und 8. Lebensmonat. Verzögerungen ergeben sich aus der Rasse, aber auch aus widrigen Haltungsbedingungen und Erkrankungen im Baby-Alter, wodurch sich die Geschlechtsreife verzögert. Momentane Ausschlussgründe für eine Kastration ist ein angeschlagener Gesundheitszustand oder ein schlechter Ernährungsstatus, weswegen Katzen im Tierschutz vor den Eingriffen oft erst wochenlang gesund gepflegt werden und zu Kräften kommen müssen.

Die geschlechtsreife Katze braucht einen unerlaubten Freigang von kürzester Dauer, um schwanger nach Hause zurück zu kehren. Warten Sie nicht zu lange!

Auch ältere Katzen und Kater können noch kastriert werden!

Vor der Kastration

Ihr Tierarzt wird Sie beraten, wie genau Sie vorzugehen aber. Im Prinzip gilt aber stets die gleiche Abfolge: Katze oder Kater dürfen 12 Stunden vor der OP nichts mehr zu fressen, wohl aber Wasser bekommen. Weibliche Katzen müssen außerhalb der Rolligkeit kastriert werden, da die Gefahr von Nachblutungen besteht. Bringen Sie Ihr Tier in einem verschließbaren Transportkorb zum Tierarzt, in dem sich eine Decke mit vertrautem Geruch befindet.

Nach der Kastration

Meist am gleichen Tag, spätestens am nächsten Morgen (je nach Uhrzeit der OP) werden Sie gebeten, Ihr Tier wieder abzuholen. Nehmen Sie sich Zeit (Urlaub), sich um Ihren Liebling zu kümmern. Sorgen Sie für Ruhe, vor allem, wenn Sie mehrere Tiere im Haus haben. Plätze auf Möbeln sind ungeeignet, da die Narkose meist nachwirkt und die Tiere im benommenen Zustand stürzen könnten. Weich, warm und in der Nähe seiner Lieben muss der Erholungsort gestaltet werden. Ein sauberes Katzenklo, Wasser und Futter sollte parat stehen. Damit sich die Katzen die frisch genähten Wunden nicht auflecken oder beißen, gibt es vom Tierarzt spezielle Halskrausen (Kragen), die dies verhindern. Meist nehmen sich die Tiere nach dem Eingriff eine Auszeit, die ihre Schmerzen und die Veränderung ausgleicht. Gönnen Sie ihrem Stubentiger die Ruhe, umso schneller vergehen die Schmerzen.

Die Kosten für Kastrationen

Es gibt eine Gebührenverordnung für Tierärzte, die jeden Eingriff, auch Sterilisation und Kastration im Prinzip genau regelt. In diesem Basis-Satz von unter 70 Euro sind allerdings weder Medikamente noch andere „Nebenleistungen“, etwa ein Tag stationäre Nachbehandlung, nicht mit inbegriffen. Bei besonderen Fällen kann sich dieser Gebührensatz allerdings sogar verdreifachen, etwa, wenn der Eingriff besonders schwierig wird.

Spenden an Katzenschutz Organisationen

Aktive Mitglieder von Katzenschutz Organisationen arbeiten nicht selten weit über ihre persönlichen Grenzen hinaus. Sie betreiben Aufklärungsarbeit, setzen sich für das Wohlergehen von Katzen, die in misslichen Verhältnissen leben ein und kümmern sich eben auch um die Kastration beziehungsweise die Vermittlung der zuvor geretteten Tiere. Die Skepsis gegenüber Hilfsorganisationen ist nicht ohne Grund in der Bevölkerung vorhanden. Darunter leiden jene Vereine, die wirklich absolut uneigennützig jeden gespendeten Cent in die reelle Hilfe investieren und sogar neben ihrer unbezahlten Tätigkeit noch auf eigene Kosten Tiere zum Arzt fahren und in Pflege nehmen.

Wollen Sie sich an einer Katzenschutz Organisation beteiligen? Hier ein paar Tipps, wie Sie sich sicher sein können, dass Ihre Hilfe nicht der Bereicherung einzelner, sondern wirklich den Tieren in Not zukommt:

  • Handelt es sich um einen e.V., also einen „eingetragenen Verein“?
  • Gibt es eine Homepage, auf der regelmäßig über Aktivitäten berichtet wird? Fotodokumentationen von Tieren in der Auffindesituation, Berichte über die Art der Hilfe, über die behandelten Krankheiten sowie die erfolgreiche Vermittlung zeugen davon, dass die Arbeit wirklich ernst genommen wird.
  • Geben Verantwortliche des Vereins bereitwillig Auskunft über die Zahl der Beitrag zahlenden Mitglieder, über die Menge der zum Beispiel im laufenden Jahr durchgeführten Kastrationen und sonstigen Hilfen?
  • Lädt man sie ein, bei einer Hilfs- oder Rettungsaktion teilzunehmen, damit Sie den Ablauf eines solchen Geschehens einmal hautnah erleben können?
  • Erhalten Sie unaufgefordert eine Spendenquittung?


All dies sind klare Hinweise darauf, dass ein Verein wirklich im Sinne der Tiere und damit auch der Spender arbeitet. Halten Sie Abstand von „Klinkenputzern“, die Sie an der Haustüre auf die Schnelle von undurchsichtigen Spendenzielen überzeugen wollen – erbitten Sie in diesem Fall eine Bedenkzeit und Adressen beziehungsweise Telefonnummern von Verantwortlichen.

Alternativ können Sie bei jedem Tierarzt Patenschaften für Tiere in Not übernehmen. Sie bieten beispielsweise an, eine (oder mehrere) Kastrationen zu bezahlen und begleichen die Rechnung somit im Bedarfsfall gleich an den Veterinär, ohne einen Verein als „Mittelsmann“ zu haben. Auch mit einer Pflegestelle für frisch operierte oder gesund zu pflegende Tiere helfen Sie ein großes Stück weiter.

Kategorien: Gesundheit Katze
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