Labrador Retriever - Einer der treuesten Familienhunde

„Streichel mich, oder gib mir etwas zu Essen – oder noch besser: Beides!“ Das ist grundsätzlich die scheinbar einzige Intention eines jeden Labrador Retriever Hundes. Kaum ein Hund ist besser für eine Familie geeignet, ist (immer die passende Erziehung vorausgesetzt) unproblematischer im Zusammenleben und dankbarer für jede Form der Aufmerksamkeit. In Beschreibungen kommt er nicht immer gut weg – was aber eher darin begründet ist, dass dem Hund Aufgaben zugedacht werden, die mit der Veranlagung des Retrievers einfach nicht zu vereinbaren sind. Ein Leben als Wach- oder Schutzhund ist eine Fehlbesetzung für den Labrador Retriever und – wenn überhaupt – bestenfalls mit einem absolut gegen die Veranlagung gerichteten Training denkbar. Auf Wikipedia kann man beispielsweise nachlesen, dass es dem Labrador Retriever eher gefällt, dem Einbrecher beim Hinaustragen gestohlener Dinge zu helfen, als das Eigentum gegen den Eindringling zu verteidigen. Geht es nach der Natur der Hunderasse, wirkt sie aufgrund ihrer Eigenschaften tollpatschig und unbeholfen, manchmal vielleicht sogar dumm. Wer sich mit der Rasse aber intensiver beschäftigt, weiß, dass – optimal geförderte – Retriever durchaus exzellente Dienste erweisen können. In ihren Sparten und nur da.

Allgemeines zum Labrador Retriever

Der Name setzt sich aus einer Ortsbezeichnung und seiner Lieblingsbeschäftigung zusammen: Die Halbinsel Labrador in Kanada ist jedoch nur ein Teil der wahren Herkunft der Hunderasse – vielmehr wurde ihre Zucht in England vorangetrieben. Vom englischen Verb „to retrieve“, also zurückbringen, entstammt dann auch der Rest des Namens. „Golden“ Retriever sind Labrador Retriever mit blondem Fell (in unterschiedlichem Helligkeitsgrad) – in den Ursprüngen ihrer Zucht waren dies unerwünschte Fehlzüchtungen der eigentlich schwarzen Hunderasse. In der deutschen Fachsprache wird in Züchterkreisen vom gelben Retriever gesprochen. Die Farbpalette der Golden Retriever reicht von hell beige bis hin zu beinahe fuchsähnlich rot. Neben schwarz und gelb gibt es seit 1964 auch offiziell braune Labradorhunde. Manche Tiere, unabhängig von der Grundfarbe, haben einen kleineren, weißen Fleck auf der Brust.

Laut Rassestandard bringt es ein ausgewachsener Labrador Retriever Rüde auf etwa 55 cm „Stockmaß“. Die Hündin ist etwas kleiner. Das dichte Unterfell ist – auf das Lieblingselement der Hunde ausgerichtet – wasserdicht. Es sind unterschiedliche Haarlängen verzeichnet, wobei mit zunehmendem Alter oftmals vor allem die Brustpartie an Haarlänge gewinnt. Die Rasse gilt als Muskelpaket mit kräftiger Statur und breitem Schädel. An diesem finden sich weit hinten angelegte hängende und nicht zu große Ohren mit manchmal etwas längeren und feineren Haaren. Das Gebiss ist sehr kräftig, jedoch nicht spitz. Die Hunderasse gilt eigentlich als arbeitswillig und aktiv, was jedoch der Halter binnen kürzester Zeit zum Gerücht machen kann.

Der Charakter des Labrador Retrievers

Zu diesem Thema könnte man eigentlich ganze Bücher schreiben, da sich hier kaum eine Verallgemeinerung bewerkstelligen lässt. Zum einen gibt es genetische Unterschiede, außerdem ist jedes Tier ebenso ein eigenes Individuum, wie es beim Menschen ebenfalls der Fall ist. Man kann also eigentlich kaum von einem Labrador auf den anderen schließen. Ein Beispiel: Die Rasse wurde als Jagdhund gezüchtet – vornehmlich, um Tiere nach dem Schießen „zurückzubringen“, also zu apportieren. Nun daraus abzuleiten, dass die Hunde grundsätzlich schussfest sind, ist aber nicht möglich, denn es gibt definitiv auch viele Exemplare, die beim Anflug eines Gewitters und entferntem Donner schon möglichst nah an den Füßen des Menschen ganz weit unter der Eckbank verschwinden und vor Angst nahezu hyperventilieren.

Über die Frage, ob Labrador Retriever gutmütig sind, lässt sich nicht streiten – hier allerdings können falsche Haltung und schlechte Erlebnisse auch Aggressivität (aus Angst) und übertriebene Schutzinstinkte hervorrufen. Es dauert lange, das Vertrauen dieser gnadenlos liebesbedürftigen Hunde zu zerstören, doch einmal geschehen, ist es auch schwer möglich, sie wieder von einer „heilen Welt“ zu überzeugen.

Der Labrador Retriever braucht Gesellschaft anderer Hund und/oder Menschen, wie die Luft zum Atmen. Besonders bei allein gehaltenen Tieren kommt das „will to please“ – der Wunsch, in jeder Sekunde des Lebens zu gefallen – am meisten zur Geltung. Freudige Reaktionen auf jede Ansprache, dankbares Aufsaugen jeglicher Zuneigung und Zuwendung: So kennt man den Labrador.

Labrador Retriever als Arbeitshund / Begleithund

Im Laufe der Zuchtgeschichte des Labrador Retrievers haben sich zwei Linien herausgebildet, die eigentlich unterschiedlicher nicht sein können. Das eine sind die Showhunde, die nichts weiter können müssen, als alle Rassekriterien zu erfüllen und dabei gut auszusehen. Jene, die bestenfalls deswegen apportieren, weil die Menschen es süß finden. Das andere sind die Arbeitshunde, mit denen man eine Menge anstellen kann, ohne den Hund zu verbiegen, weil man sich eben dieses „will to please“ Phänomen zu Nutzen macht.

Nicht nur als Jagdhunde sind die Tiere sehr beliebt – sie werden auch in medizinischen Bereichen gerne eingesetzt: Als Blindenhund, Begleithund für Diabetiker oder Menschen mit Handicap, denen sie manche unlösbare Aufgabe abnehmen (Socken ausziehen, etwas aufheben, Licht an und aus schalten und so weiter). Ein intensives Training zur Ausbildung ist dabei unerlässlich, bevor der Hund in seine wichtige Aufgabe und in ein absolutes Vertrauensverhältnis entlassen werden kann. Sein Arbeitswille, sein emsiger Fleiß und das dafür kassierte Lob als ausreichende Belohnung sind die Tatsachen, die diese Arbeit mit den Hunden so wertvoll machen. Weitere Ausbildungen absolvieren die Hunde übrigens als Rettungshunde, Spürhunde (zum Beispiel für Drogen oder vermisste Menschen) oder Sporthunde. Auch, wenn es ziemlich sicher seine absolute Lieblingsbeschäftigung bleiben wird, Dinge zu apportieren, reicht die Begabung des Labrador Retrievers definitiv für deutlich mehr.

Unterbleibt die Erziehung und Ausbildung, kann man aber auch einen eher sturen, sogar Kontakt verweigernden Hund als Ergebnis erzielen, bei dem es mit dem „will to please“ nicht so weit her ist. Die Motivation zu fördern, die Bewegungslust zu erhalten und die Seele des Hundes zu pflegen: Das sind die Aufgaben des Halters beim Labrador Retriever.

Labrador: Verfressen bis aufs Mark!

Eine der wichtigsten Erziehungsaufgaben für den Labrador Retriever Besitzer ist wohl für ihn die schwerste überhaupt. Sie betrifft ja in der Regel auch ihn ganz alleine. Es geht darum, da natürliche Verfressenheit des Hundes zwar einerseits für ein erleichtertes Training für sich auszunutzen, dabei aber strikt auf das Gewicht zu achten. Das bedeutet im Klartext: Der Labrador frisst alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Sogar Steine, Plastikteilchen, Kothaufen anderer Tiere und andere unliebsame Dinge. Ihm anzutrainieren, nur auf ein bestimmtes Kommando hin etwas zu fressen, wäre ein guter Ansatz – unbeobachtet könnte er dies aber auch mal vergessen und den Komposthaufen auf dem nachbargrundstück plündern. Hier ist absolute Kontrolle und kalorienbewusstes Füttern Pflicht. Übergewicht hat, man kann es nicht oft genug sagen, nicht nur gesundheitliche Konsequenzen, sondern macht die Tiere auch träge und motivationslos, was eigentlich nicht ihrem Naturell entspricht. Das Futter hochwertig und mit Bedacht zu wählen, jegliches menschliches Essen vom Tisch zu vermeiden,  und die jeweilige Leckerli Portion, ohne die das Labrador Dasein keinen Spaß und keinen Sinn macht, vom Tagesbedarf an Hauptfutter abzuziehen – so funktioniert das mit dem Idealgewicht und einem gesunden Retriever mit hoher Lebensqualität.

Kategorien: Rassen
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