Futteraggression bei Hunden – was kann man tun?

Vor allem in Haushalten, in denen nur ein Hund allein als Haustier gehalten wird, leben die Hundehalter mit einem Problem, das öfter auftaucht, als man denken mag. Die Rede ist von der sogenannten Futteraggression, also dem Verteidigungsverhalten von Hunden in Bezug auf ihre Leckerlis oder ihren gefüllten Napf. Lebt man mit einem Einzelhund zusammen, lässt sich dieses Verhalten eindämmen und tolerieren, da es einfacher ist, dem Hund einfach sein Fressen hinzustellen und ihn in Ruhe zu lassen, bis er fertig ist. Bei einem Kauknochen oder ähnlichen Snacks wartet man eben dann als Hundebesitzer, bis das Objekt der Begierde einmal unbeobachtet herumliegt und man es nehmen kann.

Futteraggression beginnt nicht selten schon in der Zeit, in der das Fressen zubereitet oder eine Leckerli Packung aus dem Schrank geholt wird. Jeder vermeintliche Angriff auf die eigene Portion wird vom Hund mit deutlichem Knurren, Zähne fletschen und sogar Beißen quittiert. Man kann sich vorstellen, wie das aussieht, wenn der futterneidische Hund mit einem zweiten Vierbeiner oder mit einer Katze zusammen lebt oder ein Kind einmal aus Versehen die Hand in die Richtung des Futternapfes streckt.

Leider landen viele Opfer dieser Attacken beim Tierarzt oder in der menschlichen Notaufnahme, da tiefe Bisswunden genäht und versorgt werden müssen. Böse Verletzungen bei anderen Tieren, aber auch an menschlichen Händen, im Gesicht oder am Hals sind zu bedauern – auch bei Kindern, die die Gefahr unterschätzen. Deswegen sollte man dem Hund diese Futteraggression aberziehen, statt sie zu dulden. Sicher hat der Vierbeiner das Recht auf sein Fressen und seine Belohnungen, natürlich auch auf seine Kauspielzeuge und Co. – doch ein aggressives Verhalten darf man ihm eigentlich nicht durchgehen lassen.

Woher kommt der Futterneid bei einem Hund?

Besonders häufig findet man Futteraggression bei Hunden, die in ihrem Leben schon einmal schlechte Zeiten mitgemacht haben. Möglich, dass die Tiere in einem schlecht betreuten Wurf täglich um die Milch der Mutter und später das Futter kämpfen mussten. Bei seriösen Züchtern haben die Menschen natürlich ein Auge auf „ihre“ Welpen: Sie werden gewogen und es wird kontrolliert, ob jedes Tier in ausreichendem Maße satt und zufrieden ist und dementsprechend wächst und gedeiht. Klappt das nicht, wird zugefüttert und so für das Auskommen aller gesorgt. Hier findet sich die Problematik von Futterneid eher selten.

Kümmert sich nur die Hundemama um einen Wurf Welpen, bleiben schwächere Tiere auf der Strecke. Die, die diese Phase überleben, haben sich so an den Kampf und Nahrung gewöhnt, dass sie mit allen Mitteln jeden Bissen, den sie erhaschen können, verteidigen. Und zwar bis an ihr Lebensende, auch wenn sie nach ihrer „Adoption“ eigentlich ausreichend Futter zur Verfügung haben.

Auch im späteren Leben bedeutet eine Zeit voller Hunger und Entbehrungen, dass sich daraus ein Futterneid entwickeln kann. Der Hund hat irgendwann die Erfahrung gemacht, dass sich Nahrung schwer besorgen lässt. Straßenhunde, die wirklich um jeden Bissen kämpfen müssen, sind sehr häufig betroffen und brauchen lange, bis sie – wenn überhaupt – das Vertrauen in ihre regemäßige Versorgung zurückgewinnen.

Manchmal sind Hundehalter aber auch schlichtweg selbst schuld an der Futteraggression ihres Hundes. Der Hund ist kein willenloses Geschöpf, mit dem man machen kann, was man will. Einem guten Hund, so war man lange der Ansicht, kann man jederzeit sein Fressen wegnehmen. Dass manche Tiere darauf mit Frust und Verteidigungsgehabe reagieren, ist nur allzu verständlich. Hier muss vom Welpenalter an ein Unterschied gemacht werden. Das Futter gibt es ohne Umschweife zur passenden Zeit und in der entsprechenden Menge, ohne dass der Hund beim Fressen behelligt wird. Leckerlis gibt es als Belohnung für Wohlverhalten oder Leistungen – sie sind kein Mittel, um den Hund zu „veräppeln“. Dass ein Hund sein Kauspielzeug abgeben muss, wenn Herrchen oder Frauchen das sagen, ist schon eher denkbar, aber auch diesbezüglich sollte man es mit Hü und Hott nicht übertreiben und dem Hund mit der später noch beschriebenen Tauschmethode einen Ersatz anbieten.

Futteraggressionen bei Hunden haben nichts mit Dominanzverhalten oder Geschlechterkampf zu tun. Auch lässt sich nicht pauschalisierend sagen, dass ältere Hunde ihre Rechte gegenüber jüngeren verteidigen oder eine Antipathie gegen Katzen ursächlich für die „Ausraster“ ist. Vielmehr basieren die schlechten Angewohnheiten meistens auf sehr negativen Erfahrungen, die mit Existenzangst und großem Druck wie eingebrannt beim Hund manifestiert sind.

Futteraggressionen bei Hunden bekämpfen

Es nützt nichts, den knurrenden Hund nieder zu schreien, damit er dieses Verhalten aufhört. Das Problem ist, dass dies sogar gelingen kann und der ansonsten liebe Vierbeiner das Knurren bleiben lässt und damit scheinbar alles erledigt ist. In Wahrheit bleibt aber die Angst um sein Futter beim Hund präsent, sodass er zwar nicht mehr „meckert“, dafür aber schlingt und keinerlei Ruhe und Genuss beim Fressen empfindet. Irgendwann kommt es dann zum – unangekündigten Eklat: Bello beißt ohne Vorwarnung einfach zu.

Überhaupt keine Maßnahme ist es, den Hund für sein Knurren oder andere Verteidigungsgesten mit dem Wegnehmen des Futters zu bestrafen. Nach dem Motto: Solange du knurrst, bekommst du gar nichts, verstärk man die Ängste des Tieres nur unnötig. Das Futter, das ihm zugedacht ist, sollte der Hund auch auffressen können, ohne dabei gestört zu werden. Wenn dies bedeutet, ihn abseits von Katzen, anderen Hunden und Menschen zu füttern, dann ist das eben so.

Erzieherische Maßnahmen finden schrittweise, ohne Bestrafungen und im Tausch statt. Dazu braucht der Hund aber die absolute Sicherheit, dass ihm niemand etwas wegnehmen will, dass es ihm nicht schlecht gehen wird. So muss der frisch adoptierte Straßenhund aus dem Ausland sich erst einmal einleben und begreifen: „Aha, hier gibt es regelmäßig Essen, ohne dass ich dafür kämpfen oder deswegen stehlen muss! Niemand bestraft mich, alle haben mich lieb“. Unter Umständen kann man dem Tier so viel Selbstvertrauen vermitteln, dass er seine Futteraggressionen von selbst aufgibt. Das kann aber dauern – und auch NICHT funktionieren.

Nach und nach darf man dann mit einem Training beginnen. Zunächst reicht es aus, sich dem Hund nur anzunähern, während er mit dem Fressen beschäftigt ist. Auch dies muss erfolgen, bis das Tier begriffen hat, dass niemand etwas Böses will. Als nächstes kommt der Griff zum Napf – aber nicht, um etwas wegzunehmen, sondern, um etwas hinzuzulegen. Die Portion ist etwas reduziert, dafür legt Herrchen oder Frauchen ein besonderes Extra auf das Futter. Skepsis wird auch bei dieser Übung zunächst vorherrschen – doch wenn der Hund bemerkt, dass es jedes Mal etwas Gutes bedeutet, wenn die Hand zum Napf geht, wird er sich mittelfristig sogar darüber freuen.

Statt dem Hund etwas ersatzlos wegzunehmen, sollte man ihm stets einen lohnenden Tausch anbieten. Der Kauknochen soll weg? Dann bitte nicht einfach wegnehmen, sondern ein tolles Leckerli oder ein anderes Spielzeug anbieten. Lässt er vom Kauknochen ab, muss man loben, loben und nochmal loben. So begreift der Hund: Das findet mein Mensch toll und ich bekomme ja schönen Ersatz. Mit der Zeit wird das Routine, die die Aggressionen zumindest kontrollierbar macht. Es sei hier aber auch deutlich gesagt: Bei manchen Hunden verliert sich diese Verteidigungshaltung niemals ganz und muss dann eben in Kauf genommen werden – das heißt, erhöhte Vorsicht bei anwesenden Kindern beziehungsweise überhaupt fremden Menschen, absolute Ruhe beim Fressen und keine sinnlosen Bestrafungen für längst vergangene aber immer noch seelisch verankerte schlechte Erlebnisse des Hundes.

Bild von Nicooografie auf Pixabay

Kategorien: Erziehung Hund

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