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18.02.20

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Menschliche Medizin tabu für Haustiere

Über viele Jahrhunderte waren Hunde reine Nutztiere – wenn ein Tier krank war oder dem Tod geweiht, war nur ein schneller Ersatz wichtig. Eine ärztliche Behandlung gab es höchstens in adeligen Haushalten, in denen die Hunde ein Statussymbol waren. Veterinärmedizin gab es zunächst gar nicht; danach erledigten die Landärzte die Arbeit des Viehdoktors mit. Auch zu dieser Zeit war es wichtig, eine Kuh oder ein Arbeitspferd zu kurieren, für Nachwuchs zu sorgen und gegebenenfalls Verletzungen zu heilen. Hunde hatten auch zu diesen Zeiten noch die Funktion als Hütetiere, Jagdhunde, Hofhunde und vielleicht noch Ungeziefer Bekämpfer – der enge Bezug, den man heute zu Haustieren hat, existierte damals bei der einfachen Bevölkerung einfach noch nicht. Hunde wurden gezüchtet, um die Arbeitstiere als Ersatz zu haben – verstarb ein Tier, gab es ein neues.

Mit dem Wandel in der Wertigkeit der Hunde wurde langsam auch ein anderes Augenmerk auf die medizinische Versorgung der Tiere gelegt. Man begann sich über die Ernährung der Tiere Gedanken zu machen: Zunächst reine Resteverwerter, bekamen Hunde nun eigens für sie hergestellte Nahrungsmittel. Verletzungen, die zuvor mit einem Gnadenschuss behoben wurden, konnten mit Ausbreitung der Tiermedizin jetzt behandelt werden – sofern das nötige Geld oder Tauschwaren dafür vorhanden waren. Nicht selten wurden Tierärzte nach einer Behandlung mit Lebensmitteln bezahlt, weil zum Beispiel auf Bauernhöfen einfach keine finanziellen Mittel übrig waren.

Gegen sich oftmals rapide ausbreitende Seuchen unter Hunden konnte man plötzlich durch Impfungen vorgehen. Mit den Jahren erforschte man den Hundekörper immer intensiver – und bis auf einige wenige Dinge könnten heute nahezu alle Krankheiten kuriert werden. Hunde können bei einer Krebserkrankung sogar mit einer Chemotherapie behandelt werden. Eine Vielzahl hochmoderner Operationstechniken, Infusionen und Medikamente steht zur Verfügung- selbst chronische Krankheitsbilder, zum Beispiel Nierenerkrankungen oder eine Herzinsuffizienz sind kein Todesurteil mehr für unsere Vierbeiner. Nun möchte man meinen, dass zwischen dem Körper eines Hundes und dem eines Menschen kein so nennenswerter Unterschied besteht, als dass es in medizinischer Hinsicht relevant wäre. Ein Herz, eine Leber, Nieren, der Darm – das Gehirn und die Nerven, die Knochen und Gelenke: Irgendwie ist das doch alles sehr ähnlich. Wie man heute aber weiß, ist der Unterschied doch so groß, dass es oftmals sehr gefährlich ist, den Hunden menschliche Medikamente zu verabreichen.

Schmerzmittel für Menschen sparen Tierarztkosten?

Hat ein Hund offensichtlich Schmerzen, liegt es nahe, dass sich Hundehalter über die Kosten für die Behandlung und die Medikamente vom Tierarzt Gedanken machen. Oft ist es wohl Schicksal, dass Haustiere immer dann krank werden, wenn das Budget gerade besonders knapp ist. Zum Wohle des Tieres sollte man sich allerdings eine Lösung einfallen lassen.

  • Leihen Sie sich das nötige Geld im Zweifelsfall in der Familie oder bei Freunden.
  • Besprechen Sie die Notlage mit Ihrem Tierarzt – vielleicht lässt er sich auf eine Ratenzahlung oder einen Zahlungsaufschub (zum Beispiel bis zur nächsten Gehaltszahlung) ein.
  • Wenden Sie sich an eine Tierschutzorganisation, um Hilfe in einem Notfall zu erfragen.

Es ist keine Lösung, dem Hund einfach Medikamente aus der Hausapotheke zu geben. Wer glaubt, auf diese Weise Tierarztkosten sparen zu können, riskiert damit eher, die Kosten zu vervielfachen beziehungsweise sogar das Leben des Hundes aufs Spiel zu setzen.

Mit den handelsüblichen Schmerzmitteln aus der Apotheke

  • Ibuprofen
  • Aspirin
  • Paracetamol

behandelt man bei Hunden keine Schmerzen, schon gar nicht, ohne einen Veterinär konsultiert zu haben. In Ausnahmefällen bekommen Hunde niedrige Dosen Paracetamol, aber ansonsten sind diese Medikamente strikt verboten. Es können Schäden am Magen, an den Nieren und in der Leber auftreten und zwar nicht erst nach einer längeren Einnahme oder einer höheren Dosis, sondern bereits nach einer scheinbar kaum nennenswerten Dosis. Gleiches gilt auch für den Wirkstoff

  • Diclofenac

Den wir Menschen in unterschiedlichsten Präparaten zu Hause haben. Rücken- oder Gelenksschmerzen beim Hund sind keine Seltenheit. Allerdings führt kein Weg daran vorbei, die Tiere mit ausgewiesenen Hunde-Medikamenten zu therapieren. Diese wirken gut, können Beschwerden, je nach Krankheitsgrad, lindern oder beseitigen, haben auch Nebenwirkungen, aber eben nicht in dem Maße, wie unsere Humanmedikamente.

Mein Hund hat Medikamente geklaut

Manche Hunde neigen dazu, auf Diebestour zu gehen, wenn Herrchen oder Frauchen nicht hinsehen. Leider kommt es auch vor, dass man – selbst von Kopfschmerzen geplagt – die gerade eingenommenen Medikamente beziehungsweise deren restliche Verpackung samt Inhalt liegen lässt. Das kann sehr gefährlich ausgehen, wenn man einen diebischen Hund sein eigen nennt. In Sekundenschnelle hat sich der Vierbeiner die Karte mit den Tabletten geholt und sie zerbissen. Nicht nur die Medikamente, sondern auch die Folienverpackung landen dann im Verdauungstrakt des Hundes. Letzteres könnte einen Darmverschluss hervorrufen, die Medikamenten Dosis ist aber in jedem Fall ein Grund, sofort zu handeln.

  • Stellen Sie fest, wie viele Tabletten von welchem Wirkungsgrad Ihr Hund gefressen hat.
  • Informieren Sie daraufhin mit diesen Infos telefonisch Ihren Tierarzt, dass Sie als Notfall in die Praxis kommen.
  • Versuchen Sie gegebenenfalls, Ihren Hund erbrechen zu lassen. Was aus dem Magen wieder hervorkommt, richtet keinen Schaden in der Leber und an den Nieren an – Sie haben eine Chance, eine eventuell tödliche Vergiftung zu vermeiden. Natürlich ist zeitnahes Entdecken der Katastrophe eine Voraussetzung, noch rechtzeitig eingreifen zu können.

Wenn nach einer unabsichtlichen Medikamenten Einnahme noch eine Chance besteht, eine Vergiftung mit eventuell tödlichem Ausgang aufzuhalten, dann nur der Tierarzt. Jeder Gedanke an falsche Sparsamkeit oder Bequemlichkeit sollte umgehend verworfen werden – der Hund könnte das mit dem Leben bezahlen!

 


 

Bild von David Mark auf Pixabay

Über den Autor

Kai Nagel – Geschäftsführer bei R.Bubeck & Sohn

Kai Nagel ist Geschäftsführer der ältesten Hundefutter-Manufaktur der Welt, Bubeck, die seit 1893 besteht. Geboren in eine Familie mit einer tiefen Verwurzelung in der Landwirtschaft und der Tierernährung, bringt Kai über 50 Jahre Erfahrung und ein umfassendes Verständnis für die Bedürfnisse von Hunden mit. Seit die Familie Nagel die traditionsreiche Firma 1982 übernommen hat, setzt Kai die Vision fort, hochwertige Hundefutterprodukte zu entwickeln, die Gesundheit und Wohlbefinden von Hunden fördern. Mit seiner Leidenschaft für die Tierernährung und seinem umfangreichen Wissen teilt Kai in seinen Blogartikeln wertvolle Tipps und Einblicke, um Hundehaltern zu helfen, die bestmögliche Ernährung für ihre Vierbeiner zu finden. Bubeck füttert die Hunde!

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