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11.03.19

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Woran erkenne ich gutes Katzenfutter?

Katzenbesitzer werden sich bestimmt noch an den Moment erinnern, als sie das erste Mal vor den Regalen im Zooladen standen, um eine einfach geglaubte Sache zu erledigen: Katzenfutter kaufen. Innerhalb von wenigen Sekunden wird klar, das ist nicht so einfach, wie zunächst gedacht. Erweitert man die Palette der Möglichkeiten des Einkaufs um Supermärkte sowie Internetplattformen in groß und klein, wird man von unzähligen Marken, Verpackungsgrößen und Sorten erschlagen. Große Dosen, kleine Häppchen, teuer und billig, in Gelee, als Geschnetzeltes und Ragout (und so weiter) und natürlich Trockenfutter Produkte, soweit das Auge reicht.

Der kluge Katzenhalter, der nicht nur auf die Preise achtet, informiert sich vielleicht nun über Tests, welches Katen(trocken)futter gut ist und welches nicht – man will ja ein gesundes Tier haben, das sich bis ins fortgeschrittene Alter bester Laune und Lebensqualität erfreut. Vorsichtig behauptet, ist das mit diesen Tests allerdings „so eine Sache“. Die großen Tests konzentrieren sich eher auf einige ausgesuchte, meist größere Marken und Hersteller – man erfährt hier nichts über eine motivierte kleinere Firme, die in Sachen Katzenfutter auf Tiergesundheit setzt. Andere Tests sind eher in Eigeninitiative der Hersteller entstanden und damit eher als subjektiv einzuordnen. Deshalb ist es ein nahezu unlösbares Problem, sich in Sachen gesunder Ernährung einer Katze ohne ein gewisses Fachwissen auf Anhieb auszukennen.

Katzenfutter wird oft für den Tierhalter hergestellt

Ginge die Katze einkaufen, wüsste sie, was sie in den Wagen legen würde. Wie auch dem Menschen schmeckt ihr das eine und das andere nicht, verträgt sie dieses gut, anderes weniger bis gar nicht. Da aber wir Halter als Einkäufer und Dosenöffner fungieren, muss die Futtermittelindustrie beim Marketing nicht die Samtpfote ansprechen, sondern den Menschen dahinter – er bringt das Geld in die Kassen. Marketing findet (unter anderem) in visueller Form  auf den Banderolen und in der Werbung, also auf Plakaten und im Fernsehen statt. Jene Katzenbesitzer ausgeklammert, die sich nur auf das billigste Discounterprodukt konzentrieren, wollen also erobert und für das eigene Produkt eingefangen werden. Zufrieden schnurrende Tigerlein räkeln sich gesund und wohlgenährt – keinesfalls übergewichtig – in einer adretten Umgebung und bekommen fein drapiertes und nach Art von Sterneküche garniertes Futter gereicht – das assoziiert der Tierhalter mit dem Gedanken, mit diesem Futter seinem Tier etwas Gutes zu tun. Nun muss das nicht heißen, dass solche beworbenen Katzenfuttersorten von Grund auf schlecht sind – nur vergessen viele Menschen angesichts von so viel Glück und Wonne im TV, die Inhaltsliste auf der Banderole zu lesen. Das Ergebnis ist: Im Katzenmagen landen im besten Glauben, dem Tier etwas Gutes zu tun, neben Zucker eigentlich nur nett aufbereitete Abfälle, Erzeugnisse aus dem Labor und nur weniges, was dem Naturell einer Katze wirklich entspricht.

Der Katzenbesitzer als Futtermittelchemiker?

Klar, nicht jeder Katzenfreund kann sich als Chemiker ausbilden lassen, nur um wirklich genau  erkennen zu können, was genau die Inhaltsliste auf der Katzenfutter Verpackung bedeutet. Gleich vorneweg sei klargestellt: Kein Futtermittelhersteller bewegt sich außerhalb der gesetzlichen Regeln, wenn er Abfall und Chemie zu Tierfutter verarbeitet und verkauft. Das Problem ist eher eine Sache der Deklaration, die zu verstehen der Katzenfreund in der Lage sein sollte.

Was nimmt man beim Öffnen einer Dose Nassfutter wahr? Gar nicht so üblen Geruch – zumindest nicht nach Verwesung oder Chemielabor und ein relativ appetitliches Aussehen, egal, ob die Inhalte – und die folgende Formulierung ist bewusst gewählt – nach Fleisch aussehen oder als gepresste Würfelchen („Formfleisch“) in Soße oder Gelee schwimmen. Trockenfutter zeigt ebenfalls glaubwürdige Farben – grün für den Gemüseanteil, rot oder bräunlich für Fleischanteile. Der Geruch ist vielleicht nicht angenehm für den Menschen, aber doch so gestaltet, dass er als „glaubhaft“ empfunden wird. Solange man ein gutes Gewissen hat, muss man sich mit der Deklaration auf den Banderolen gar nicht befassen – immerhin gibt es Behörden, die sich um das Gesetzliche kümmern. Tatsache ist: Von Schlachtabfall, Gammelfleisch, Fettresten (zum Beispiel aus gastronomischen Entsorgungen), Tierkörperverwertung oder Laborerzeugnissen nimmt man bei Inaugenscheinnahme des Futtermittels nichts wahr. Dass kaum ein Vitamin natürlicher Herkunft ist, das Futter dank Lebensmittelaufbereitungsmethoden (zum Beispiel durch Enzyme) ansehnlich gemacht wird und dazu mit Duft- und Lockstoffen versetzt wurde, spielt in jenem Moment keine Rolle mehr, in dem der Hersteller das Gewissen des Tierhalters beruhigt hat. Da die auf der Packung aufgedruckten Analysewerte dieser Futtermittel den gesetzlichen Regelungen entsprechen, ohne beschönigt werden zu müssen, ist der Laie schnell besänftigt und das Geschäft floriert. Spätestens in dem Moment, in dem der Vierbeiner zuhause dann vor Begeisterung ausflippt, weil das Fresschen so gut schmeckt, ist die Welt ohnehin in Ordnung. Wer denkt schon drüber nach, ob es wirklich das Futter ist, das diese Begeisterung auslöst, oder die Lockstoffe, die die Samtpfote zum Junkie machen?

Was gehört denn nun ins Katzenfutter?

Statt darüber zu berichten, was alles nicht ins Katzenfutter gehört, ist es einfacher, sich damit zu beschäftigen, was darin enthalten sein sollte, um der Katze ein artgerechtes und gesundes Fressen zu ermöglichen. Ganz einfach herzuleiten ist diese Differenz zwischen „kann“ und „soll“ anhand des Lieblingsfressens der Katze: Der Maus. Genau das, was die Katze beim Fressen einer Maus übrig lässt, ist (in abgewandelter Form) oft einziger Inhalt des gekauften Futters. Das Gekröse bleibt liegen – dazu nicht selten der Schwanz und der Kopf. Der Rest besteht aus Fleisch und Knochen und schmeckt der Katze vorzüglich. Nach dieser Vorlage ist es leicht, ein Futter für eine Katze zusammenzustellen: Es muss aus möglichst viel Fleisch bestehen – und zwar aus frischen, (für die Katze) appetitlichen 80 Prozent. Nicht zu dieser Kategorie gehören die so genannten Nebenerzeugnisse, die nicht näher deklariert werden müssen und von denen es gute und schlechte zu unterscheiden gibt. Herzen, Leber und Co. sind durchaus lecker und verträglich – doch andere sind nur billiges „Material“, das sich perfekt verarbeiten lässt und in die Deklarationsliste passt: Dazu gehören unter anderem Reste von verarbeiteten Tieren, aus denen sich nichts (oder kaum etwas) anderes herstellen lässt und die zudem kaum Nährstoffe haben – etwa Euter, Bindegewebe und so weiter.

Die Katze als nachgewiesener Fleischfresser oder Karnivoren kann mit Kohlehydraten in der Nahrung nichts anfangen – durch den vergleichsweise kurzen Darm werden diese im Körper gar nicht erst verwertet. Getreide, Kartoffeln, Nudeln und Co. sind also ebenso überflüssig im Katzenfutter, wie Soja. Gleiches gilt für alle pflanzlichen Proteine. Anders verhält es sich mit dem Gemüse: Die Katze frisst in der Natur auch Gemüse – allerdings maximal so viel, wie im Magen der Mäuse enthalten ist, die sie erlegt hat. Ja, das ist nicht viel – und genau so sollte sich der Anteil von Gemüsebeigaben im Tierfutter verhalten.

Und was nicht?

Wie auch beim Hundefutter, hat im Katzenfall keine Form von Zucker etwas zu suchen. Diesen finden wir auf den Verpackungen oft unter Tarn-Namen: Sämtliche Formen von Rübenprodukten, Melasse, alle chemischen Begriffe, die mit „-ose“ (zum Beispiel Glucose) enden und viele mehr. Auch hier bekommt man einen genauen Einblick, wenn man die Inhalte einfach einmal durch die Suchmaschine schickt. Wie bereits erwähnt, sind Cerealien, Kartoffeln, Mais, Soja und andere Kohlenhydrate keine geeigneten Bestandteile eines Futters für Fleischfresser. Je genauer die Angabe für die Inhalte ist, umso hochwertiger das Katzenfutter – und die schleierhafte Bezeichnung „Nebenerzeugnisse“ weist eben meistens auf Abfallprodukte hin, die hier eine gewinnbringende Verwendung gefunden haben – es sei denn, da steht wörtlich etwas von Herz, Leber oder das Wort „Lebensmittelqualität“. Molkereierzeugnisse – das sind nicht etwa frische Milch, Joghurt oder Quark – auch hier handelt es sich zumeist um Abfälle aus der Käseproduktion, etwa Molke, mit der die Katze als Nahrung nichts anzufangen weiß. Hier hat aber mancher Tierhalter das Kätzchen vor Augen, das genüsslich ein Schälchen Milch ausschlabbert – und freut sich, seinem Tier über das Futter mit Molkereierzeugnissen einen Gefallen zu tun.

Zumindest das hat die Deklarationsvorschrift als Vorteil – was deutlich drauf steht, muss auch in der Verpackung enthalten sein und ein Verstoß gegen diese Vorschrift hätte weitreichende Konsequenzen für die Konzerne. Das „Lesen“ und „Verstehen“ und die nachfolgende Auswahl der Futtermittel ist Sache des Tierhalters.

Über den Autor

Kai Nagel – Geschäftsführer bei R.Bubeck & Sohn

Kai Nagel ist Geschäftsführer der ältesten Hundefutter-Manufaktur der Welt, Bubeck, die seit 1893 besteht. Geboren in eine Familie mit einer tiefen Verwurzelung in der Landwirtschaft und der Tierernährung, bringt Kai über 50 Jahre Erfahrung und ein umfassendes Verständnis für die Bedürfnisse von Hunden mit. Seit die Familie Nagel die traditionsreiche Firma 1982 übernommen hat, setzt Kai die Vision fort, hochwertige Hundefutterprodukte zu entwickeln, die Gesundheit und Wohlbefinden von Hunden fördern. Mit seiner Leidenschaft für die Tierernährung und seinem umfangreichen Wissen teilt Kai in seinen Blogartikeln wertvolle Tipps und Einblicke, um Hundehaltern zu helfen, die bestmögliche Ernährung für ihre Vierbeiner zu finden. Bubeck füttert die Hunde!

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