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27.04.21

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Eifersucht als Problem bei Hund und Katze

Hunde und Katzen, aber auch manche Vögel, binden sich sehr eng an ihren Menschen und genießen es, von diesem Aufmerksamkeit und Liebe zu bekommen. Der Tag hat feste Rituale, bei denen Spiel und Spaß, Fressen und Kuscheln ihren Platz haben. Solange der Hund oder die Katze der einzige Mitbewohner in einem Haushalt sind, ist die Welt in Ordnung. Doch dann – der Schock für das Haustier: Es dringt jemand Fremdes dauerhaft in die heile Welt ein und verdrängt den ehemaligen König des Lebens von seinem Platz. Wer nun denkt, dass die Tiere zu solchen Gefühlen, wie Eifersucht gar nicht fähig sind, der irrt sich, denn von Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu ernsten seelischen Erkrankungen kann jede derartige Neuerung im Leben einige verschieden schwerwiegende Probleme mit sich bringen.

Auf was können Haustiere eifersüchtig sein?

  • Auf einen neuen Lebenspartner seines Herrchens oder Frauchens, gerade, wenn dieser Jahre lang allein mit seinem Haustier gelebt hat.
  • Auf ein Baby, wenn ein Paar zuvor den Hund oder die Katze als Kindersatz gehalten hat.
  • Auf neue Vierbeiner, vor allem, wenn keine entsprechende Sozialisierung stattgefunden hat und die Fellnasen kaum Kontakt zu anderen Artgenossen oder weiteren Haustieren hatten.
  • In seltenen Fällen sogar auf Besucher, die vom gewohnten Alltag ablenken und die Aufmerksamkeit der Bezugsperson(en) auf sich ziehen.

Eindringlinge aus der Sicht von Hund und Katze

Immer schon – seit dem Welpenalter – gehörte der Platz bei Frauchen im Bett dem Hund. Zusammen hingelegt, zusammen aufgestanden, nach Herzenslust gekuschelt und niemals alleine: Das brachte Vorteile für Mensch und Tier. Natürlich hat sich der Hund an diese Umstände gewöhnt und kann es nicht verstehen, dass seit neuestem am Wochenende ein Mann in diesem Bett nächtigt. Überhaupt ist seither alles anders. Frauchen ist jetzt oft abends nicht zu Hause, die Zeit reicht an manchen Tagen gerade noch für ein schnell gefülltes Näpfchen und die kürzeste Gassirunde, früher nur bei richtigem Regenwetter auf dem Plan. Und schließlich der Schock: Statt bei Frauchen lieb zu kuscheln, darf der Hund auf einmal gar nicht mehr ins Bett – und noch schlimmer: Die Schlafzimmertüre ist geschlossen. Das blanke Entsetzen löst diese Veränderung aus. Frauchen merkt davon nicht viel, denn sie schwebt auf der berühmten Wolke 7 und vergisst darüber den Hund beinahe komplett.

Einige Jahre – so ein weiteres Fallbeispiel – war eine Katze die Königin ihres Reiches. Angeschafft nach dem Zusammenziehen des Paares wurde sie umsorgt und geliebt. Immer war Zeit für Streicheleinheiten, das Katzenklo war sauber, das Futter gab es rechtzeitig und auch zum Spielen gab es oft und ausgiebig die Gelegenheit. Doch nun das fremde Menschlein in einem neuen Bett: Ein Baby bringt das Leben durcheinander. Es schreit und schon rennen alle. Es bekommt die lieben Worte, die früher für die Katze bestimmt waren. Die Katzentoilette ist ungewohnt unsauber, weil das neue Menschlein so viel Stress mit sich bringt, dass nicht einmal dafür täglich Zeit bleibt. Plötzlich ist die Fellnase nur noch geduldet, nicht wie früher heiß geliebt. Sucht sie selbst den Kontakt zu Herrchen und Frauchen, ist keine Zeit – sie wird weggeschickt. Will sie am neuen Menschen nur einmal schnuppern, bekommt Frauchen einen hysterischen Schreianfall. Die Welt ist aus den Fugen geraten!

Wie äußert sich Eifersucht beim Hund?

Eifersucht ist ein Zeichen dafür, dass man aus Angst, etwas Liebgewonnenes zu verlieren, in ein Gefühlschaos stürzt. Wir Menschen kennen dies vor allem aus Partnerschaften, aber auch in Bezug auf berufliche Erfolge anderer, auf Wohlstand, den wir selbst nicht haben und so weiter. Für den Hund ist die Bindung zu seinem Menschen immens wichtig – und ist diese beeinträchtigt, führt dies eventuell bis hin zu einer gewissen Existenzangst. Abneigung und sogar Aggressivität gegenüber dem Auslöser dieser Gefühlswelt sind oft festzustellen. Kommt der neue Partner von der Arbeit nach Hause, versteckt sich der Hund beleidigt in seinem Körbchen, statt ihn wedelnd zu begrüßen. Will er das Tier streicheln, wird hörbar geknurrt, eventuell sogar gebellt oder geschnappt. Diese Form der Gefühlsäußerung kann sich leider auch gegen ein Baby oder ein neues, noch junges Haustier richten und kann natürlich nicht toleriert werden.

Dadurch, dass man das Tier anschreit, nach ihm schlägt oder es aussperrt, macht man die Situation alles andere als besser. Spätestens dann kommt es nämlich noch zu weiteren Auffälligkeiten. Die einen richten sich gegen Einrichtung, Wäsche, Kleidung und Co. und zeigen, wie groß der Frust beim Tier ist. Eine zweite Kategorie ist eher seelischer Natur und bringt Unsauberkeit, Appetitlosigkeit, Phlegmatie – also alle Anzeichen einer ernst zu nehmenden Depression – ans Licht.

…und bei der Katze?

Kommt eine zweite Katze oder ein Hund in den Haushalt, kann eine Katze verschieden darauf reagieren. Futterneid könnte sich entwickeln, aber auch der Frust auf alles, bei dem der neue Vierbeiner scheinbar oder wirklich bevorzugt wird. Die „alte“ Katze ist nur noch Mitläufer – das neue Tier wird gelobt und gestreichelt, alle flippen aus vor Begeisterung. Mit einem solchen Mitbewohner will man nicht kuscheln oder spielen – man möchte ihn fressen, aus dem Haus jagen oder zumindest außer Gefecht setzen. Auch bei Katzen sind Fauchen und Raufereien oft gesehene Merkmale von deutlicher Eifersucht. Hinzu kommen auch hier Unsauberkeit, Nahrungsverweigerung und manchmal sogar der komplette Rückzug aus dem gemeinsamen Leben. Richtet sich die Aggression gegen einen Partner oder ein Baby, muss ohnehin gehandelt werden, jedoch sollte jeder Tierhalter, egal ob von Hund oder Katze, seinen bisher treuen Gefährten auf die neue Lebenssituation vorbereiten, ihn einbinden und vor allem nicht benachteiligen.

Wie löse ich das Problem?

Nicht alle Hunde reagieren mit Eifersucht – und auch nicht jede Katze zeigt Auffälligkeiten. Ähnlich wie beim Menschen kann es sein, dass dieses Gefühl zwischen „gar nicht vorhanden“ und „intolerablen Auswüchsen“ auftritt. Der Hund drängelt sich auf der Couch zwischen Frauchen und neuen Mann, bellt und stupst, wenn das Baby auf den Arm genommen wird. Hier kann noch mit Beschwichtigung und guten Zureden, dem Mit-Einbeziehen und einer extra Portion Streicheleinheiten gearbeitet werden. Gleiches gilt für die Katze, die plötzlich nur noch auf den Schoß will, wenn der neue Partner oder das neue Haustier gerade gestreichelt werden, den Futternapf durch Knurren und Fauchen verteidigt und so weiter. Doch spätestens, wenn Aggressionen auftreten, muss man eingreifen und mit seinem Tier arbeiten.

?? Sehr wichtig ist es, den psychischen Stress, den das Haustier gerade erleidet, nicht noch durch eigenen Stress (den jedes Tier sofort wahrnimmt) zu verstärken. Nicht schreien, nicht hektisch werden, sondern ruhig und besonnen bleiben – auch, wenn dies leichter gesagt ist, als getan.
?? Tierbesitzer müssen darauf achten, gerade in den ersten Wochen und Monaten der neuen Lebenskonstellation das „alte“ Haustier nicht zu vernachlässigen. Das Verteilen von Leckerlis, guten Worten, Spiel und Kuscheleinheiten, Futter und Co. sollte mehr als gerecht aufgeteilt werden.
?? Lassen Sie den Kontakt zwischen Haustier und Baby oder neuem Haustier zu – natürlich vorsichtig und schrittweise – damit das Tier das neue Menschen- oder Tierkind kennenlernen und akzeptieren kann.
?? Bei allem Stress der neuen Situation (Unternehmungen mit dem Partner, Kümmern ums Kind, Erziehung eines neuen Welpen etc.): Halten Sie an alten Gewohnheiten so weit, wie möglich fest. Der feste Platz des bisherigen Herzenstiers muss immer wieder bestärkt und bestätigt werden, damit es seinen Burgfrieden behalten beziehungsweise wieder finden kann.
?? Zwang bringt nichts. Der neue Partner wird abgelehnt? Es ist sinnfrei, ein Tier zur Liebe zu zwingen. Seien Sie über eine friedliche Koexistenz am Anfang zufrieden und warten Sie ab, was die Zeit bringt. Der Lebensgefährte kann das Futter zubereiten, bei Katzen die Toilette reinigen, vielleicht auch einige Worte an das Tier richten. Das Tier bemerkt, der neue Mensch ist Teil des Alltags, was die Akzeptanz eventuell vereinfacht. Belohnen Sie jede positive Reaktion durch viel Lob, Streicheln und u. U. Leckerlis.
?? Unter Tieren sind Rangkämpfe eventuell normal – in einem gewissen Maß machen es die Vierbeiner unter sich aus, wer der Chefkater ist und wer an zweiter Stelle kommt. Dabei fliegen auch ab und an die Fetzen. Beruhigt sich die Lage allerdings nicht, muss man Hilfe suchen.

Professionelle Hilfe bekommt man von Tiertherapeuten, die die Situation zu entspannen helfen. Sie kommen gegebenenfalls sogar ins Haus, beobachten das Geschehen und arbeiten mit den Tieren UND den Menschen, im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens. So können Verhaltensauffälligkeiten und psychische Probleme wieder verschwinden. Die Verantwortung, die man mit dem Kauf eines Haustieres übernommen hat, sollte nur im absoluten Notfall abgegeben werden – und selbst dann setzt man die einst geliebten Tiere nicht einfach aus oder lässt sie einschläfern, sondern begleitet sie liebevoll in ein neues Zuhause, eventuell mit Hilfe einer Tierschutzorganisation.


 

Bild von Free-Photos auf Pixabay

Über den Autor

Kai Nagel – Geschäftsführer bei R.Bubeck & Sohn

Kai Nagel ist Geschäftsführer der ältesten Hundefutter-Manufaktur der Welt, Bubeck, die seit 1893 besteht. Geboren in eine Familie mit einer tiefen Verwurzelung in der Landwirtschaft und der Tierernährung, bringt Kai über 50 Jahre Erfahrung und ein umfassendes Verständnis für die Bedürfnisse von Hunden mit. Seit die Familie Nagel die traditionsreiche Firma 1982 übernommen hat, setzt Kai die Vision fort, hochwertige Hundefutterprodukte zu entwickeln, die Gesundheit und Wohlbefinden von Hunden fördern. Mit seiner Leidenschaft für die Tierernährung und seinem umfangreichen Wissen teilt Kai in seinen Blogartikeln wertvolle Tipps und Einblicke, um Hundehaltern zu helfen, die bestmögliche Ernährung für ihre Vierbeiner zu finden. Bubeck füttert die Hunde!

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