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24.02.21

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Animal Hoarding – was macht das aus den Tieren?

Wenn Menschen Tiere horten, wie ein Messie alte Zeitungen oder Papiertüten, steckt dahinter eine psychische Erkrankung, die therapiert werden muss. Ohne Hilfe von außen ist ein Entkommen aus dieser Situation nicht möglich. Oft werden die traurigen Schicksale der betroffenen Menschen und ihrer bedauernswerten Tiere erst sehr spät bekannt – was daran liegt, dass die Erkrankten sich aus dem öffentlichen Leben komplett zurückziehen. Sie entwickeln richtige Strategien, wie sie Verwandte und Nachbarn fernhalten können und dennoch ihren Alltag irgendwie mehr schlecht als recht bewerkstelligen.

Die Opfer der Tierhortung oder Tiersammelsucht sind unter dem Strich aber zahlreiche Tiere, die unter schlechtesten Bedingungen leben müssen. Irgendwie werden sie schon geliebt – aber der Mensch ist absolut mit der Situation überfordert, kommt mit Hygiene, Ernährung und medizinischer Versorgung auch aus finanziellen Gründen nicht mehr zurecht. Ein radikaler Schritt ist nötig: Das Entfernen aller Tiere aus dem meist nicht mehr bewohnbaren Umfeld, die medizinische und therapeutische Versorgung des Menschen und natürlich ein Neuanfang mit einer renovierten Bleibe Weder für den Tiersammler, noch für die Tiere ist der Leidensweg damit vorbei.

Animal Hoarding nebenan?

Die Geschichten, die Tierschutzverbände und soziale Einrichtungen über das Animal Hoarding berichten können, sind vielfältig und grausam. Wohnungen. In denen zwei Menschen es schon schwer hätten, sich auch einmal aus dem Weg zu gehen, beherbergen 30 Hunde oder eine ebenso erschreckende Zahl von Katzen. Vögel, Nager und eben alle denkbaren Haustiere wurden bei Animal Hoardern schon entdeckt. Manchmal findet man ähnliche Zustände aber auch ums Haus herum, dann eben aus Ziegen, Schafen, Pferden und Kühen – Enten, Gänse und Hühner noch obendrein.

Die Wohnungen sind verkommen und voller Exkremente, oft ist am Boden eine dicke Schicht Kot und Urin, vermischt mit Schummel und Futterresten. Ein bestialischer Gestank ist festzustellen, der aber dem Wohnungsbesitzer kaum etwas auszumachen scheint. Die Betroffenen duschen sich, um frisch zu riechen, wenn sie einkaufen gehen – oder nutzen Bringdienste und Onlineshops – stets bedacht, nur nicht aufzufallen. Sie sehen ihre Lage als völlig normal an und wollen daran auch nichts ändern. Im Gegenteil – nimmt man ihnen die Tiere weg, möchte ihr Herz zerbrechen. Die Einsicht, dass es sowohl für die Tiere, als auch für sie selbst nur besser werden kann, fehlt den Erkrankten völlig.

Leider ist die psychische Störung nicht das einzige, was nach einer Rettungsaktion behandelt werden muss. Oft haben die hygienischen Verhältnisse und die finanzielle Not (inklusive mangelnder ärztlicher Versorgung) werfen oft massive Krankheitsbilder auf, die dringender Behandlung bedürfen. Leider kommt manche Rettungsaktion aber auch zu spät und die Menschen sind genau dieser Situation erlegen.

Warum bemerkt die Nachbarschaft das nicht? Diese Frage könnte man sich zu Recht stellen. Allerdings muss man wissen, dass Animal Hoarder ihr Tun verschleiern und nach außen hin wenig auffällig sind. „Man mischt sich ja nicht ein!“ ist oft zu hören, wenn nachgefragt wird, warum Müllberge und übler Gestank im Treppenhaus nicht „bemerkt“ und gemeldet wurden. Manche Passanten wundern sich nicht, wenn sie auf einer Fensterbank 5 verhärmte Katzen sitzen sehen oder man auf der Straße aus einem Haus massives Hundegebell und Gejaule hören kann. Nur wenige Menschen greifen beherzt ein und sorgen damit für das Ende einer eigentlich schon lange unerträglichen Situation. Andere tuscheln höchstens hinter vorgehaltener Hand und denken ansonsten: „Das geht mich nichts an!“ Wird aber ein Fall von Animal Hoarding bekannt, haben es dann alle „schon lange geahnt, dass da was nicht stimmt!“.

Jedes gehortete Tier ist ein Opfer

Allein den Tieren ein Heim zu geben, ist lange nicht genug. Bei beinahe allen Fällen von Animal Hoarding ist aber die Summe alle Lebensumstände so weit von artgerechter Tierhaltung entfernt, wie die Erde vom Mars oder noch weiter. Die finanziellen Mittel reichen nicht einmal mehr für das Nötigste, um alle Haustiere wirklich adäquat zu versorgen; die Nahrung ist nicht einmal ausreichend, geschweige denn ausgewogen. Außerdem wird in hygienisch desaströsen Verhältnisswen gefressen und Wasser getrunken. Wo viele Tiere eng zusammen leben, breiten sich Parasiten und Krankheiten unheimlich schnell aus – und entsprechend ihrer Haltung ist von Impfschutz keinerlei Rede.

Zwischen all den lebenden Tieren und dem Dreck und Müll finden sich bei der Räumung nicht selten auch verweste Kadaver verendeter Tiere – nicht auszudenken, welcher Geruch und welche bakterielle Belastung in einer solchen Wohnung vorherrscht. Gleich daneben vermehren sich Brüder und Schwester, Eltern und Kinder fleißig in trauter Inzucht, sorgen für weiteren Nachwuchs, wie es die Natur ihnen aufgetragen hat und machen damit die Probleme immer und immer größer. Die Inzucht verbessert die Gesundheit junger Tiere bekanntlich nicht; man kann sich ausmalen, welch ein Leben diese Tiere auch nach ihrer Befreiung erwartet.

Nach der Rettung

Bis Tiere aus einem Animal Hoarding Haushalt erneut an neue Besitzer vermittelt werden können, dauert es oft sehr lange. Schon alleine deswegen, weil die Tiere kaum mit Menschen sozialisiert sind, ist es schwer, einen Bezug zu ihnen aufzubauen und die meist völlig fehlende Grunderziehung nachzuholen. Ohne diese sind die Hunde aber schwer zu vermitteln. Bei anderen Tieren ist es einfacher – hier bleiben lediglich ältere und kranke Hoarding Opfer auf der Strecke.

Nach der Rettung ist einiges zu tun. Die Tiere müssen gezählt und identifizierbar gemacht werden, was bedeutet, es werden erst einmal Listen angefertigt. Dann müssen alle zunächst einmal untergebracht werden. Pflegestellen brauchen sehr viel Tiererfahrung, um dieser Situation gerecht zu werden, die Menge der auf einmal zu beherbergenden Tiere sprengt aber meistens die Kapazität eines Tierheims. Je nach Gesundheitszustand, Parasitenbefall und anderen Kriterien wird dann eine Verteilung vorgenommen, bevor mit der medizinischen Versorgung angefangen wird. Neben Entwurmung und Flohbekämpfung ist es wichtig, Flüssigkeitshaushalt und Ernährungszustand auf ein tolerierbares Maß zu bekommen.

Nebenbei werden Krankheiten behandelt, Bäder gemacht. Irgendwann bekommen die Tiere, soweit erforderlich, einen Haustierchip und einen Ausweis, werden geimpft und kastriert (oder zumindest sterilisiert). Gesünder und optisch kaum wieder zu erkennen geht ein Teil der Hunde, Katzen und Co. dann wieder in die Vermittlung. Leider gibt es aber auch viele Hunde, die schon zu alt sind, um sich noch anpassen zu können. Sie reagieren grundlos aggressiv auf Menschen, beißen sogar zu und können ohne schlechtes Gewissen nicht an andere Besitzer abgegeben werden. Hilft kein Training, keine Therapie und keine Liebe, muss ein solches Animal Hoarding Opfer ab und zu auch mal eingeschläfert werden. Dies geschieht allerdings nur, wenn sich alle Betreuer und behandelnden Personen einig sind, dass es keine Chance auf eine Verbesserung gibt.

✔️ Beim Animal Hoarding muss den Menschen, aber auch allen Tieren geholfen werden.
✔️ Es ist für Erkrankte schwer, sich von den Tieren zu trennen, weil sie einen Ersatz für menschliche Bindungen darstellen.
✔️ Die Rückfallgefahr für die pathologischen Sammler ohne Therapie ist enorm hoch.
✔️ Für die Tiere wird es manchmal schwer, sich nach der Rettung noch zu sozialisieren und ein schönes Leben führen zu können. Sie sind voller Misstrauen und Ängste und brauchen viel Liebe und Geduld.
✔️ Die Grenze zwischen Animal Hoarding und normaler Tierhaltung mehrerer Haustiere verläuft schleichend. Solange alle Tiere artgerecht versorgt sind, in hygienischen Verhältnissen leben, medizinisch versorgt werden und sowohl Menschen wie auch Tiere sozialisiert leben, ist alles ok, auch wenn mehrere Hunde, Katzen, Meerschweinchen und Vögel in einem Haushalt leben.


 

Bild von angel1238812 auf Pixabay

Über den Autor

Kai Nagel – Geschäftsführer bei R.Bubeck & Sohn

Kai Nagel ist Geschäftsführer der ältesten Hundefutter-Manufaktur der Welt, Bubeck, die seit 1893 besteht. Geboren in eine Familie mit einer tiefen Verwurzelung in der Landwirtschaft und der Tierernährung, bringt Kai über 50 Jahre Erfahrung und ein umfassendes Verständnis für die Bedürfnisse von Hunden mit. Seit die Familie Nagel die traditionsreiche Firma 1982 übernommen hat, setzt Kai die Vision fort, hochwertige Hundefutterprodukte zu entwickeln, die Gesundheit und Wohlbefinden von Hunden fördern. Mit seiner Leidenschaft für die Tierernährung und seinem umfangreichen Wissen teilt Kai in seinen Blogartikeln wertvolle Tipps und Einblicke, um Hundehaltern zu helfen, die bestmögliche Ernährung für ihre Vierbeiner zu finden. Bubeck füttert die Hunde!

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