Jeder Jeck ist anders...

Willkommen in der finalen Spitzenwoche der fünften Jahreszeit!

Es ist, je nach Region und Lesart entweder Karneval oder Fasching. Tatsächlich, auch aus Hunde Sicht so eine Art anderer Jahreszeit. Unsere Menschen werden drollig bis komisch und sehen auch so aus. Sie tragen auf einmal Klamotten, die Hund sonst das ganze Jahr nicht zu sehen bekommt und verhalten sich auch anders. Das geht schon bei der Getränkeauswahl los: Appelkorn statt Apfelsaft, Bier statt Bionade und bei den Heißgetränken wird ganz offensichtlich schon am frühen Vormittag statt Kaffee auf Rum-Punsch umgeschaltet.
 
Sie werden uns, über den Tag gesehen, auch kurzzeitig immer ähnlicher. Spätestens ab heute Mittag. Da beschnüffeln sie sich gegenseitig, es lecken sich zum Teil sogar wildfremde Menschen gegenseitig an und ab (das nennen sie „Bützen“) und der ein oder andere hebt abends im Dunkeln – zumindest Menschenrüden – in unbeobachteten Momenten auch schon mal aus Versehen und unkontrollierbarem Blasendruck das Bein an Häuserecken, Laternenpfählen und in fremden Vorgärten. Wir Hunde haben damit sicher kein Problem. Aber ihr Menschen …
 
Das Ganze scheint jedenfalls so eine Art menschliches Fruchtbarkeits- und Fröhlichkeitsfest zu sein. Mit offenem Ende aber zum Teil klar prognostizierbarem Ergebnis: Kopfschmerzen! Im Großen und Ganzen, zumindest solange wir nicht zu sehr einbezogen werden, meist auch für uns ganz lustig. Denn es passieren Dinge, die verstehste oder glaubste nicht. Zumindest als Hund. Am Montag ist zum Beispiel das kollektive Straßengassi Gehen unserer Menschen angesagt. Auch wieder in diesen eigenartigen Klamotten inklusiv kompletter Hausbar im Gepäck. Da laufen sie im Zug, was ja im Grunde schon ein Widerspruch ist. Aber es wird noch schräger: Menschen bewerfen sich dabei - ohne echten Streit - gegenseitig unter lautem Gebrüll und Gelächter mit Bonbons, Schokoladentäfelchen und kleinen Blumensträußen. Hallo?! Sicher kein Problem, billige Blumen aus holländischen Wasser-Transformations-Fabriken wegzuwerfen, bevor sie richtig welken. Aber Bonbons und Schokolade??? Statt sie selbst zu futtern? Geht gar nicht!
 
Außerdem wird mitten im Westen Jahr für Jahr der Jecken Klappstuhl ausgegraben. Köln gegen Düsseldorf. Erste Liga gegen zweite Liga mit Aufstiegsambitionen. Nicht nur im Fußball. Wobei: während im Fußball der Düsseldorfer Aufstieg ja mal wieder klappen könnte, ist im Karneval die Sache seit langem entschieden. Ita est! Köln führt nach Lachern, Zuglänge und Kamelle Weitwürfen im rheinischen Duell der Pappnasen unangefochten. Dafür darf Düsseldorf aber die Landeshauptstadt bleiben. Zumindest in den restlichen vier Jahreszeiten. Menschenmeinungen, denen sich Hund in dem Fall gerne mal anschließt. 
 
Wir Hunde nehmen euer buntes Treiben jedenfalls gelassen. Insbesondere solange wir nicht mitmachen müssen und in irgendwelche unbequemen Klamotten gezwängt werden und dann als Staffage auch ins Getümmel gestürzt werden. Macht ihr mal, wir bleiben zuhause. Und hoffen, das ihr bei den nächsten gemeinsamen Spazier- und Gassigängen ganz genau darauf achtet, dass wir nicht in Glasscherben landen und zuviel aus übrig gebliebenen Bierpfützen saufen. 
 
In diesem Sinne: Et kütt, wie et kütt un et hät noch immer jot jejange!
 
Euch ein dreifach laut gebelltes Alaaf und Helau von Weiberfastnacht bis knapp vor Aschermittwoch!
 
Euer
 
 

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